uebersetzungen

Donnerstag, 6. Juli 2006

Sibila Petlevski :: Ein neues Auge


Wir warteten nicht bis der erste Storch das Dach überflog,
sondern wir stellten die Nester selbst auf die Schornsteine.
Vorbei die Zeit des Wunderns, als die Regel galt, dass jedes
Ding einem neuen Auge neu ist. Ruhig erstehen die Toten von
den Toten, es leben Menschen ohne Idole, Freiheit trägt man
als Anhänger, für sie wird nicht mehr gestorben, sondern für
irgend etwas Anderes, aus Blut wird Wasser gewonnen, und vor
Worten und Musik schützt die Ohren natürlicher Teer. Zeit und
Raum werden im Paket angeboten. All unsere Sinne, die früher
vor Angst zu einer Kugel zusammengerollt, strecken sich jetzt
langsam aus, wie die Windungen des Gehirns. Das Leben fließt wie
ein Strom. Es ist da oder nicht: Eins oder Null. Wir haben gelernt,
Gefühle zu teilen, die nur unser Eigen waren, wie eine Spiegelung
im Wasser: Soundosoviele Gläser, soundsovele Monde im Glas.



Novo oko

Nismo čekali da proleti prva roda iznad krova
nego smo sami postavili na dimnjake gnijezda.
Prošlo je vrijeme čuđenja u kojem je vrijedilo
pravilo da je svaka stvar novome oku nova.
Mrtvaci se mirno dižu iz mrtvih, žive ljudi bez idola,
slobodu se nosi kao privjesak, za nju se ne gine
više nego za bilo što drugo, iz krvi se dobiva
voda, a uši od riječi i glazbe čuva prirodna smola.
Vrijeme i prostor nude se u paketu. Sva naša čula
koja su prije bila od straha smotana u kuglu, pomalo
se ispravljaju, baš kao i vijuge mozga. Život teče
kao struja. Ima ga ili ga nema: jedinica ili nula.
Naučili smo dijeliti osjećaje koji su bili samo naši
kao odraz u vodi: koliko čaša, toliko mjeseca u čaši.


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Bojan Radašinović :: Das waren die Tage (12)


hier werden wir immer fremde sein
sie hassen sie
schau nur wie sie sind
die strassen voll von ihnen
die schweizer wissen nicht
wie unsere namen auszusprechen
sie sind kalt und es
kümmert sie niemand
sie haben diese scheuklappen
wie pferde um gradeaus zu blicken
mensch es wird nicht leicht für uns
dann begannen wir zu tanzen
und sinatra zu singen in übersetzung
ausländer in der nacht
der raum war dunkel
ich küsste ihr haar
dachte
in unserem fall
wird es anders sein


To su bili dani (12)

ovdje ćemo uvijek biti stranci
oni ih mrze
pa vidiš kakvi su
i koliko ih je po ulicama
šviceri ne znaju kako bi
izgovorili naša imena
oni su hladi i nije im
ni do koga stalo
imaju one štitnike za oči
kao konji da gledaju ravno
čovječe neće nam biti lako
onda smo počeli plesati
i pjevati sinatru u prijevodu
ausländer in der nacht
u sobi je bio mrak
ljubio sam joj kosu
mislio sam
u našem slučaju
bit će drugačije


Übersetzungen

Bojan Radašinović :: Das waren die Tage (7)


unsere reise wird
nach einer halben stunde unterbrochen
slovenische grenze
unsere polizisten streiken
sie arbeiten rund um die uhr
sie stellen dumme fragen
nach drei stunden stehen wir erneut
dunkelheit kälte strasse wc
husten zigaretten wind
an der italienischen grenze
gibt der fahrer dem zöllner zwei
dosen coca-cola
die folgenden sechs stunden
fahren wir auf der autobahn
nur ein kurzer halt irgendwo
gegen drei am morgen die schweiz
alle raus aus dem bus
turistiko
si turistiko
die zöllner jung und fleischig
nach luzern kommt
schnell zürich
sagt ein reisender



To su bili dani (7)

putovanje se nakon
pola sata prekida
slovenska granica
naši policajci štrajkaju
pa rade kao ludi
pitaju glupa pitanja
za tri sata opet stajemo
mrak hladnoća cesta wc
kašalj cigarete vjetar
na talijanskoj granici
vozač daje cariniku dvije
konzerve coca-cole
sljedećih šest sati
vozimo se autoputom uz
jedno kraće stajanje negdje
oko tri ujutro švicarska
svi van iz busa
turistiko
si turistiko
carinici mladi i mesnati
nakon luzerna brzo
dolazi zürich
govori jedan putnik


Übersetzungen

Bojan Radašinović :: Das waren die Tage (2)


nachdem sandra fort war
musste ich häufig in beiläufigen gesprächen
sogar unbekannten
meine situation erklären
fragen beantworten wie
was wirst du dort machen
warum hat deine freundin dich verlassen
konnte sie hier nichts finden
erkennen sie dort ihr diplom an
lebt es sich dort gut
immer wiederholte ich die gleichen antworten
mit wem auch immer ich sprach
wenn sie mir sagten
dass auch sie gehen würden
wenn sie nur eine gelegenheit hätten
dass diese situation wirklich schrecklich ist
und dass hier in ein, zwei jahren chile sein wird
nahm ich das glas oder die tasse
und drehte sie langsam auf dem tisch
dann schwiegen wir alle eine weile
warteten dass irgendetwas passiert
wenn ich sie später in der stadt traf
klopften sie mir auf die schulter und fragten
du bist noch hier
wann fährst du
wie geht es deiner freundin




To su bili dani (2)

nakon što je sandra otišla
često sam morao u nevezanim razgovorima
čak i neznancima
objašnjavati svoju situaciju
odgovarati na pitanja poput
šta ćeš tamo raditi
zašto ti je cura otišla
a ne može ovdje ništa nać
jel joj priznaju faks
jel se tamo dobro živi
uvijek sam vrtio iste odgovore
bez obzira s kojim sam ljudima razgovarao
kad bi mi odgovarali
da bi i oni otišli
samo da imaju priliku
da je ova situacija stvarno grozna
i da će tu za dvije godine biti čile
primio bih čaši ili šalicu
i lagano ju vrtio po stolu
tada bi svi zajedno šutjeli
i čekali nekog vraga da se desi
kad bi ih kasnije susretao u gradu
tapšali bi me po ramenu i pitali
još si tu
kad ideš
kako ti je cura


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Mittwoch, 5. Juli 2006

Marijana Radmilović :: All diese Jahre


Der Löffel, mit dem wir unser
Tägliches aßen, und Du: diebisch aus
ihm die Senke herausgeschmolzen.
Woher kommt jetzt meine Zustimmung?
Ein Mann war hier vor Kurzem,
liebkoste meine Sätze:
An diesm Ort musst du anhalten
und alles versuchen.
Mit welcher Freude ich dir die Tür öffne.
Zum ersten Mal schaffe ich, für dich,
einen sicheren Abstand zwischen Gesundheit
und Krankheit.
Der verlegte Löffel, der geheilte
Morgen, all das Verschwiegene.
Der Tod hat ein schmutziges, weißes Gesicht
und er ist gut für uns, all diese Jahre.



Sve ove godine

Žlica kojom smo jeli
naše svakodnevno, a ti joj kradom
otapao dno.
Otkud sada tako pristala.
Neki je čovjek maloprije bio ovdje,
njegovao moje rečenice:
Na ovom mjestu moraš stati
i pokušati sve.
S kakvom ti radošću otvaram vrata.
Prvi put činim za tebe
sigurnu razdaljinu od zdravlja
do bolesti.
Žlica koja se bila zametnula,
liječeno jutro, sve njeno prešućeno.
Smrt ima bijelo, nečisto lice
i dobra nam je, sve ove godine.


[Anmerkung: Das Verschwiegene bezieht sich sehr wahrscheinlich auf den Löffel, also auf das vom Löffel Verschwiegene, der im Kroatischen weiblich ist. Eine englische Übersetzung bringt jedoch, statt dem IT, das sich auf den Löffel bezöge, ein SHE, was wiederum die Dichterin meint. Da aus der Dynamik des Gedichtes nicht vollkommen sicher abzuleiten ist, ob das Verschwiegene das des Löffels ist (sehr wahrscheinlich) oder das der Erzählerin, muss es für sich sprechen. Die englische Übersetzung ist in sich nicht sehr gelungen, aus diesem Grunde wurde ihr auch nicht vertraut. Es ist auch noch anzumerken, dass der Tod im Kroatischen ebenfalls weiblich ist, was einen unausgesprochenen Kontext zu "ihrem Vergessenen" im letzten Satz darstellt. Auch dem wurde bei der Wahl, das Vergessene als adjektivlosen Substantiv zu wählen, Rechnung getragen.]


Übersetzungen

Marijana Radmilović :: Zurückkehren


Ich suche die Grenzen deines Körpers, meiner Sprache,
erfinde eine Hauptstadt an einem anderen Ort,
wähle Bettlaken, verschlafene Krankenhäuser und Frauen, die sich nicht
um sich kümmern, kaufe alles, was mich traurig macht, Worte, die nichts bedeuten,
vergeßliche Strassen, ungenaue Adressen, ausgeruht und leicht begehbar.

Von allem schenke ich dir zuwenig und zuviel.
So fest umfing mich dieser Mensch, ich schnappte nach Luft,
verlieh mich an den Regen, fand Zuflucht in dem, was ich kenne,
ich bin zu traurig, um hier etwas zu vollbringen.
Zwischen Hand und Knie gibt es keine Leere und keine Reise,
von der ich gesünder zurückkehren könnte.
Es ist einfacher, mich bei der Rückkehr zu baden,
meinen Körper zu übersetzen aus meiner Sprache,
die Liebe an den Tisch zu setzen, Milch, Fleisch, Wasser, Hunger;
ich schrieb dir nicht, aber ich wollte dir schreiben.




radmilovic


Marijana Radmilović, geb. 1971, lebt in ihrem Geburtsort Vinkovci. Sie studierte Kroatisch, das sie heute unterrichtet. Sie war Lehrerin in Vukovar und unterrichtet heute auch erwachsene serbische Einwohner in kroatischer Sprache.

Literaturpreise:
Josip und Ivan Kozarac Preis, 1999.
Dobriša Cesarić Preis, 2003
Kvirinover Literaturtage Preis, Sisak, 2004.



Na povratku


Tražim granice tvoga tijela, moga jezika,
na nekom drugom mjestu izmišljam glavni grad,
biram plahte, pospane bolnice i žene koje ne brinu za sebe,
kupujem sve što me rastužuje, riječi koje ništa ne znače,
zaboravne ulice, neprecizne adrese, odmorne i lakoprohodne.

Darujem ti od svega premalo i previše.
Tako me pritisnuo taj čovjek, uhvatila sam zrak,
iznajmila se kiši, pribjegla svemu što znam,
isuviše sam tužna da bih sada tu nešto izvodila.
Između ruku i koljena nema praznine, ni putovanja
s kojeg bih se vratila zdravija.
Na povratku jednostavnije je okupati me,
prevesti tijelo s moga jezika,
posjesti ljubav za stol, mlijeko, meso, vodu, glad,
nisam ti pisala, ali htjela sam.





Diese Übersetzung ist Werner R. gewidmet.

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Freitag, 26. Mai 2006

Hrvoje Pejaković :: Das Ende eines Briefes


In einem der kommenden Jahre werden wir sterben müssen, vielleicht auch
erwachsen werden. (Schließ nicht ab. Folgere nicht. Schließ nicht das Buch.)



Svršetak jednog pisma

Jedne od slijedečih godina morat ćemo umrijeti, možda
i odrasti. (Ne zaključavaj. Ne zaključuj. Ne sklapaj Knjigu.)


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Donnerstag, 25. Mai 2006

Sibila Petlevski :: Ein Hund weiß (es) besser

Am Anfang ist uns nicht klar, dass ausreicht, was übrig bleibt
wenn die Blütenblätter abfallen, später schreiben wir Schönheit etwas
Höherem zu, eine Gewohnheit, die wir nicht mehr loswerden.
Überzeugt davon, dieses Fallen müsse von etwas verursacht sein,
sagen wir: der Wind ist schuld. Schuld wäre auch der feuchte Asphalt,
in dem ein Hund den Abdruck seiner Pfote hinterlässt und schuld wäre der
Hund, dem es gelang, die Spur eines zufälligen Streunens zu hinterlassen,
vorausgesetzt, ein Zufall existierte, den man von der

Ewigkeit trennen könnte. Meine Hände sind voller Blumen und Wurzeln,
sagte der Rosenverkäufer, der aussah wie ein zurückgebliebener Junge,
als er sagte, wie ein indianischer Schamane sagen würde: Meine Hände
sind voller Kleidung, in die die Erde sich hüllt.
Wir hätten kaufen können und gehen. Wir hätten die Rosen kaufen können
und einpflanzen, sie eine nach der anderen in den nassen, schwarzen
Teer stecken, um schuld zu sein, dass sie niemals Wurzeln fassen. Sogar
ein Hund weiß besser als wir, die Grenzen seiner Welt zu markieren.




Pas zna bolje

U početku nam nije jasno da je dovoljno ono što
preostane kad otpadnu latice, a poslije pripisivanje
ljepote višku postaje navika koje se ne znamo riješiti.
Uvjereni da otpadanje mora biti nečim izazvano,
kažemo vjetar je kriv. Kriv bi bio i neosušeni asfalt
ako bi u njemu pas ostavio otisak šape, i kriv bi bio
pas koji je uspio ostaviti trajni trag slučajne šetnje,
pod uvjetom da postoji slučajnost od koje je moguće

odvojiti vječnost. Ruke su mi pune cvijeća i korijenja,
rekao je prodavač ruža koji je izgledao kao maloumni
dječak kad je rekao, baš kao što bi indijanski šaman
rekao, ruke su mi pune odjeće u koju se zemlja oblači.
Mogli smo kupiti i otići. Mogli smo kupiti i zasaditi
ruže, zataknuti jednu po jednu u mokri, crni bitumen
da budemo krivi što se nikada neće primiti korijenje.
I pas zna bolje od nas obilježiti granice svojega svijeta.



[Wem die mangelnde Melodik auffällt: Sie ist im Original - wohl sehr bewußt - auch nicht vorhanden. Sibila hat diese Zeilen in einer rauhen, unlyrischen Sprache verfasst, gebettet in eine Grammatik aus Gaze. Und wir stellen fest: Melodik wäre einfacher zu übersetzen als diese bewußte Disharmonie]


Übersetzungen

Mittwoch, 24. Mai 2006

Sibila Petlevski :: Heilige Woche

Ganze sechs Tage lang bliesen wir Ballons auf,
dachten, dies sei die einzige Möglichkeit, dem Atem Rahmen
zu geben. Vom Himmel fiel Manna,
süss und lauwarm wie Milch von der Brust. Oh Gott!
Wir hätten auch mit Küssen die gleiche, die vollkommen
gleiche, Sache erreichen können; mit Atmen gegen Glas,
damit statt uns der Nebel auf dem Spiegel schreibt, dass wir
leben; mit Schreiben die Wärme übertragen ohne Berührung
und Stimme; indem wir einfach hier wären und nicht
verwickelt in ein Netz aus Blut wie hungrige Hunde, nicht ewig
hungrigen Herzens, das aus der Brust brüllt wie ein Löwe.
Ganze sechs Tage lang bliesen wir Ballons auf und zerschnitten sie
dann mit Messern. Am siebten Tag ruhten wir uns aus.



Sveti tjedan

Puhali smo balone punih šest dana,
mislili da je to jedini način na koji se može
dati okvir dahu. S neba je padala mana,
slatka i mlaka kao mlijeko iz sise. Bože!
Pa mogli smo i poljupcima postići istu,
potpuno istu stvar, mogli smo i disanjem
u staklo, da umjesto nas magla na čistu
zrcalu napiše da smo živi, da pisanjem
prenesemo toplinu bez dodira i glasa,
da budemo jednostavno tu, a ne u mreži
krvi isprepleteni, ne poput gladnih pasa,
ne vječno gladnog srca koje iz grudi reži.
Puhali smo balone i onda ih nožem parali
punih šest dana. Sedmi smo se odmarali.


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Javorka Pangerčić :: Zimmer voll Rosmarin

Heute Abend werde ich zu Dir kommen.
Bezieh das Bett für uns.

Ich kündige mein Kommen an,
dass Du das Zimmer mit Rosmarin schmückst
und die Frau erwartest, die Braut.

Ich werde zu Dir kommen, nackt, weiß,
und Sterne und Meer
werde ich vor der Tür lassen
damit sie seufzen vor Neid.

Schlaf nicht ein, warte auf mich....



Javorka Pangerčić, 1950 in Zagreb geboren, absolvierte dort die Geodätische Fakultät. Heute lebt sie sie in Bjelovar, wo sie für das staatliche kroatische Umweltprojekt "Hrvatske Vode" (Kroatische Wasser) arbeitet. Vor einigen Jahren begann Javorka, Lyrik zu schreiben; zehn ihrer Gedichte sind mittlerweile publiziert. "Ich schreibe gern über Blumen", schreibt sie an einen Freund, über den mir diese biografischen Daten zukamen.




Soba puna ružmarina

Doći ću Ti večeras.
Spremi nam postelju.

Najavljujem svoj dolazak
kako bi sobu okitio ružmarinom
i dočekao ženu, nevjestu.

Doći ću Ti gola, bijela
a zvijezde i more
ostavit ću pred vratima
da uzdišu od zavisti.

Nemoj zaspati, čekaj me ...


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