Ulmenjahr

Samstag, 23. September 2006

Unter der Brücke

Dann werden wir beisammen sein.
Unter dem Banner des Resümées.
Dies haben wir gegessen, das haben wir getan und hier ist das,
was aus uns wurde.


Ulmenjahr

Sonntag, 27. August 2006

Unter Leuten II

"Ich wusste gar nicht, dass sie Jüdin war".
Sehr leise stellte Maria die Moccatasse auf den Tisch. Dann zuckte sie mit den Schultern. "Naja, bei den vielen versteckten Ustasa mit roten Parteibüchern hätte ich es vielleicht auch geheim gehalten und auf dem Bahnhof geputzt, wo ich niemandem auffalle und trotzdem jeden Tag meiner Arbeit nachgehe. So kann einem keiner was nachsagen...."
"Du meinst, sie hat darum dort jeden Abend nach der Arbeit auf der Bank gesessen und die Tauben gefüttert?"
"Sie war allein, wer weiß schon, was es helfen kann, auf Bänken zu sitzen und die Tauben zu füttern..."
"Ich habe sie gefragt", warf Jolanda ein und stopfte weiter an ihrer Pfeife. "Dreimal".
"Wieso denn gleich drei Mal?"
"Das erste mal waren wir noch Kinder. Weißt Du noch? Da gab sie mir was von dem Brot für die Tauben".
"Ja, ich erinnere mich. Aber nicht mehr daran, dass Du mit ihr viel geredet hättest".
Jolanda zündete die Pfeife an, nahm einen tiefen Zug und blickte unwirsch in die Runde der Uhren, die überall herumstanden. Nach all den Jahren wurde sie das Gefühl immer noch nicht los, in Marias Wohnung von der Zeit umzingelt zu sein.
"Das zweite Mal habe ich sie gefragt, da war ich schon seit Jahren mit der Lehre fertig", fuhr sie fort. "Es war im Herbst und sie saß immer noch auf der gleichen Bank. Man hätte meinen können, sie gehört zum Bahnhof wie die Laternen und die Gleise, so hatte man sich an ihren Anblick gewöhnt".

"Ja, sie gehörte irgendwie dazu. Mir fiel sie erst wieder ein, als sie nicht mehr auf der Bank saß. Auf einmal war sie verschwunden, von heute auf morgen einfach weg".
"Sie ist gestorben".
"Wann denn?"
"Ende der Siebziger".
"Da muss sie schon sehr alt gewesen sein, sie war doch schon damals nicht mehr jung, als wir Kinder waren. Wann war das mit dem Brot? 51? 52?".
"Ja. Es war 1952. Sie starb auf der Bank, Maria. Mitten unter den Tauben. Sie haben es erst bemerkt, als die Vögel ihr schon auf dem Schoss saßen und die Brottüte aufpickten".
"Das wusste ich nicht".
"Eine Woche vorher, da fuhr ich zurück an die Küste, hab ich sie nochmal gefragt. Sie holte eine Bajardera* aus ihrer Tasche und sagte: Die ist für meinen Mann. Er kommt heute zurück. Wohin ist er denn gefahren hab ich sie gefragt. Nach Polen, sagte sie. Die Deutschen haben ihn nach Polen weggebracht. Heute kommt er zurück, ich weiß es bestimmt".


[*Bajardera: Kroatische Nougatpraline]



Ulmenjahr

Sonntag, 20. August 2006

Unter Leuten I

Du fragst dich, was du hier tust. Tagein, tagaus wird die Frage bohrender. Den Nebel konservieren, das Leben wie in Watte verpackt. Hier sitzen. "Das ist so", meinen sie. Ich kann es nicht glauben. Nicht einmal erahnen, wen sie dort sehen, wenn ich unter ihnen bin, bei ihnen sitze an diesem kalten Augustabend, der sich einem verregneten Herbst beugt. Es gibt ein Feuerwerk. Man verbrennt sich die Hand an Lunten und kühlen Herzen. Von links sieht mich jemand an und betrachtet eine Erinnerung, ein über ein Jahrzehnt verstaubtes Abbild der Frau, die ich vielleicht war. In diesem Blick zerrinnt die Haut zu einem seltsam durchlässigen Fluidum. In der späten Abendkühle härtet es aus zu Klüften aus Adamant, die keine Umarmung überwindet.



Ulmenjahr

Samstag, 27. Mai 2006

Lachesis

Die Häme ist eine Schwester der Dummheit. Die hat ihre Lippen noch und nöcher gespitzt, weil sie einen Kuss wollte von der Schwester. Und so angestrengt hat sie das getan, dass sie spitz blieben, als sie das bittere Gift schlürfte, nie geküsst zu werden.


Jolanda in Ulmenjahr

Donnerstag, 26. Januar 2006

Das Stigma des Uranus.

" (...) Innehalten. Den plötzlich kalten Blick über die Schulter werfen. Sehen. Einsehen. Die Unzulänglichkeit und die Hoffnungslosigkeit. An der Küste damals, da war Hoffnung. Sie lebte in den zerklüfteten Felsen und murmelte ihr Lied in den Abend. Wie ich lauschte! Wie ich hoffte! Und doch: Was bleibt vom Leben? Wenn ich zurückblicke, sehe ich nichts, das ich vollbracht hätte. Ich durchforste die Erinnerungen nach Momenten des Glücks, nach einer Berechtigung für mein Dasein, nach irgendetwas von Belang, von Kontinuität. Ja, Bestand. Was ich finde sind verwehte Spuren und ein vergessenes Kleid, von dem sie sagen, es sei Körper. Mir ist, ich wurde in diese Existenz geworfen allein um ausgelöscht zu werden. Vom Himmel gefallen wie ein fremder Stein; was nicht verglühte blieb ein Opfer an einen fremden Gott auf einem fremden Planeten.
Ich habe Gott herausgefordert, heute klage ich ihn an. Für die Grausamkeit dieses Spieles, für eine Existenz, der niemals Wurzeln zugeschrieben wurden, für ein Dasein im Wind. Wann auch immer er nachlässt, fällst Du gen Boden, liegst herum an unwirtlichen Orten. Manchmal trägt er Dich in einen Garten, nur um Dich mit dem nächsten Sturm davonzutragen und die Uhr wieder auf Null zu drehen. Leaves, leaves in the wind... Ich klage ihn an und die Erzengel sind meine Zeugen. Die Jahreszeiten sind meine Zeugen. Jedes atmende Wesen rufe ich herbei, zu bezeugen was Gott mir getan. Unter dem Mantel meines Blutes ist nichts, nichts, nichts. Das Blut allein hält mich aufrecht, hält die substanzlose Struktur unter der Sinnlosigkeit haust wie ausgeatmeter Qualm. Nur ein Hauch und die Kontur ist verloren. Lachende Elfen im Wind. Ich atme. Das allein soll genügen, bis die Aufhebung meines Lebens, die Gott mir in jeder Sekunde meines Daseins zugedacht, vollbracht ist. Seine Altäre gewässert sind von meinen Tränen und unserem Blut. (...)
Ich lege diesen Brief an Dein Grab, damit die Welt der Toten Zeugnis habe von Gottes Schändlichkeit. Gottes Grausamkeit. Gottes Jämmerlichkeit. Schreibe es für mich in die Annalen der Asche, dort wo Staub Nahrung ist".


Aus Ysajs erstem Brief an die verstorbene Jolanda

Ulmenjahr


kueste01

Mittwoch, 25. Januar 2006

Die See.

Herz, oh mein Herz, warum hast du mich verraten?

Jolandas stummer Klagegesang, der jener aller Weiber bei Ebbe ist.

Die "männliche Version" siehe
>>>hier


Ulmenjahr

Freitag, 13. Januar 2006

Netzach

Dort hatte Gott sie geschlagen, das Spiel für sich entschieden, dort in der Wüste zwischen Hitze, Durst und trockenen Tränen. Als die Welt zusammenbrach, das Auge nur noch Sand sah, Sand war; als sogar das Leben nur ein Siegelring des Todes wurde, ihre Lippen schon an diesem Finger, ein kurzes Sengen, dann Asche und dann: Dunkelheit. Schlafen. Die Zähne des Schakals spüren und schlafen für immer. Schlafen.
Da hatte Gott ihr einen Engel geschickt in Menschengestalt, einen Verirrten in der Wüste, hatte der Finsternis die Lider mit Sinn bemalt, den helläugigen Joker seines Blattes ausgespielt, hatte sie aufgerissen wie eine Milchtüte und den Einsatz verdoppelt, den letzten Stich gemacht. Und gewonnen.


Ulmenjahr

[Bild aus dem Kurzfilm "Durst" von Leo Khasin]


durst

Donnerstag, 12. Januar 2006

Nux

"Sie werden Dich lynchen, so oder so. Nicht mehr öffentlich, so wie das früher mal ging, heute machen sie es anders". Die Nuss knackte in Jolandas Hand, sie legte die Nusszange auf den Tisch. "Weil Du nicht mittust bei ihrem Spiel und sie wissen es. Das ist wie Aussatz oder wie ein Geruch, der Dir anhaftet. Wenn Du unter ihnen leben willst, musst Du riechen wie sie und nicht auffallen wie eine Pommeranze".
"Das kann ich nicht", erwiderte Ysaj, von Jolandas Ton gereizt, "selbst wenn ich es wollte könnte ich es nicht". Weil deine Haut es zurückwirft wie ein Spiegel, in dem sie sich selbst erblicken. Die Ebenen und ihr Ameisenvolk.
"Ich bin nicht wie Du, so verwurzelt, ja für Dich ist alles einfach, wo es für mich schwer ist. Aber oben, auf dem Berg, da war es für mich einfach und für Dich nicht!"
"Du bist ein Vögelchen und sie werden Dich lynchen deshalb. Langsam. Mit den Jahren werden sie Dich aushöhlen und mit Einsamkeit ersäufen, wenn Du es nicht lernst".

Ysaj schwieg. Sie wusste nicht, ob Jolanda verstand; wie so häufig in letzter Zeit war sie sich nicht sicher, ob Jolanda nicht verstehen wollte. Es ging nicht mehr um ihre alten Kämpfe, um den Trotz ihrer jungen Jahre oder ein Annehmen oder Verweigern von Jolandas Wissen. Es war etwas anderes. Um Vögel. Die fliegen, weil es ihrer Natur entspricht, das zu tun. Um Schwingen.
"Ich kann nicht sein, was ich nicht bin", seufzte sie.
"Hörst Du mir nicht zu? Meinst Du ich sage das alles nur zum Spass? Nur unnütze Tränen bringt das, aber nein. Stur wie ein Maulesel!"
Da waren sie. Der Ton und der Zeitpunkt, jetzt würde Ysaj explodieren, hier waren ihre Schützengräben und genau hier lagen ihrer beider Tränen und Kämpfe wie gläsernes Kinderspielzeug herum, bedeckten die schwarze, kahle Erde.

"Heute nicht, Jolanda. Und wieso überhaupt tust Du so, als wäre die Sache mit dem Lynchen etwas Neues? Also ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich habe schon so oft gebrannt, da macht ein Mal mehr wirklich keinen Kohl fett".
Die Nuss fiel mit hellem, hartem Aufschlag auf die Fliesen, rollte unter den Tisch. Ysaj sah ihr nach, dann wandte sie den Kopf und blickte Jolanda an, um unmittelbar darauf in schallendes Gelächter auszubrechen.
"Ein Schenkelklopfer!" rief sie.
"Was ist denn, was lachst Du?"
"Dir blieb grade der Mund offen stehen".
"Mir? Bestimmt nicht!"



Nachtrag: Das hier ist richtig schlecht.
Sogar nahezu dilettantisch. Vollkommen unbrauchbar. Warum hat das niemand gepostet? Ich bitte Sie - dieses Fragment ist so grausig, dass es mir nun, bei späterem Lesen, schon fast Magenschmerzen verursacht. Es wird vollkommen aus dem Skript gestrichen.

Ulmenjahr

Mittwoch, 4. Januar 2006

Salamander.

Ysaj sah ihn. Er war nur aus den Augenwinkeln zu erkennen, sobald man dirket hinschaute, erfasste das Auge nur Steine, die verwilderte Hecke und den weichen Schatten der Zedern und Zypressen. Aber Ysaj sah ihn. Er war groß, ungewöhnlich groß für diesen Ort am Meer, so groß hätte sie ihn in der Wüste erwartet oder an Orten, die von der Sonne versengt. Sie rutschte tiefer in ihre Hängematte und versuchte, auf ihr Buch zu blicken, während sie ihn im Augenwinkel beobachtete, versuchte unbeteiligt und belanglos zu wirken, ganz so, als würde sie gleich über ihrer Lektüre eindösen.
Er blieb stehen und wandte dann ruckartig den Kopf, ragte in Manneshöhe über den Büschen auf, sie sah die farbige Zeichnung seiner reptilienartigen Haut, die roten, gewundenen Widderhörner, die im Nacken zusammeliefen und nahezu in der gewaltigen Wirbelsäule verschwanden, seine schwarzen Nüstern, die gelben Augen. In der Mittagshitze flirrte sein Atem, der über die Hecke stub, als er sie fixierte. Sie hangelte sich an den Buchstaben entlang, bemüht, nicht den Kopf zu wenden und fast wäre sie dabei tatsächlich eingeschlafen, die Siesta-Müdigkeit kam schlagartig über sie und sie fühlte sich träge und faul, bis ihr klar wurde, dass er es war. Er wollte sicher gehen, wollte sie in den Schlaf hinüberschicken, sie in das Organza eines Traumes hüllen, damit sie diesen Augenblick vergaß, ihn später für einen Traum hielt.
"Ash", flüsterte sie und hob die Lider über den Buchrand, blickte stur gradeaus, gerade so, dass sie die Gestalt noch im Augenwinkel wahrnehmen konnte. Ein kurzes, intensives Zischen, dann glitt er davon, die erleichterte Hecke hinter sich lassend.

"Sie können es nicht leiden, wenn man sie sieht", meinte Jolanda am Abend.
"Warum nicht?" wollte sie wissen.
"Weil man den Menschen nicht mehr trauen kann. Es ist besser, Du erzählst niemandem davon. Es glaubt Dir sowieso keiner. Feuergeister am hellichten Tag und so. Du weißt schon".
"Was macht er hier, Jolanda?"
"Na was wohl?"
"Er wirkte ... wütend".
"Vielleicht verschafft sich wieder jemand Bauland auf die illegale Art", Jolanda zuckte die Schultern.

Am Abend brannte der Wald, einer der häufigen Sommerbrände. Niemand kam zu Schaden, nur einige Häuser am oberen Hügel wurden vorsichtshalber geräumt. Falls der Wind drehen würde.


Ulmenjahr

Sonntag, 1. Januar 2006

Gisors

"Schenkt man den „Prieuré-Dokumenten“ Glauben, dann war das Jahr 1188 sowohl für den Ordre de Sion als auch für die Tempelritter von grundlegender Bedeutung. Ein Jahr zuvor hatten die Sarazenen Jerusalem zurückerobert – nicht zuletzt aufgrund der kurzsichtigen Handlungsweise des Großmeisters des Templerordens, Gerhard von Ridefort. Der Text der Dossiers secrets geht allerdings schärfer mit ihm ins Gericht. Hier ist nicht von Unbeherrschtheit oder Unvernunft die Rede, sondern von seinem „Verrat“. Worin dieser Verrat bestanden haben soll, wird nicht gesagt. Der Fall Jerusalems dürfte aber auch das Schicksal der Abtei auf dem Zionsberg besiegelt haben. Es wäre nicht weiter verwunderlich, hätten die Ordensbrüder, ihres Wirkungsbereichs im Heiligen Land beraubt, Zuflucht in Frankreich gesucht, wo eine neue Heimstätte schon bereitstand.

Die Ereignisse des Jahres 1187 scheinen die beiden Orden nachhaltig einander entfremdet zu haben. Die Ursachen dafür sind nicht ganz klar. 1188 kam es jedoch, den Dossiers secrets zufolge, zu einem entscheidenden Wendepunkt in den Geschicken der beiden Orden, und eine formelle Trennung wurde vollzogen. Der Ordre de Sion wollte mit seinen berühmten Schützlingen nichts mehr zu tun haben. Die Erinnerung an diesen Bruch soll durch ein Ritual, eine Art Zeremonie, wachgehalten worden sein. In den Dossiers secrets und anderen „Prieuré-Dokumenten“ wird von der „Fällung der Ulme“ gesprochen, die in Gisors stattgefunden haben soll.

Die Berichte sind verzerrender und entstellender Natur, aber sowohl die Geschichtsforschung als auch die Überlieferung bestätigen, dass sich 1188 in Gisors etwas äußerst Seltsames ereignete, wozu auch die Fällung einer Ulme gehörte. An die Burg grenzte eine Rasenfläche, das champ sacré (heiliges Feld). Mittelalterlichen Chroniken ist zu entnehmen, dass dieser Ort schon in vorchristlichen Zeiten für heilig gehalten wurde. Im zwölften Jahrhundert hatten hier zahlreiche Begegnungen zwischen den englischen und französischen Königen stattgefunden. In der Mitte des heiligen Feldes stand eine uralte Ulme, die 1188, im Verlauf eines Treffens zwischen Heinrich II. von England und Philipp II. von Frankreich, aus unbekannten Gründen in den Mittelpunkt einer blutigen Auseinandersetzung geriet.

Einem Bericht zufolge gab es auf dieser Rasenfläche außer der Ulme nichts, was Schatten gespendet hätte. Angeblich war sie über 800 Jahre alt und so dick, dass neun Männer kaum den Stamm umfassen konnten. Im Schatten dieses Baumes ließ sich Heinrich II. mit seinem Gefolge nieder, so dass der etwas später eintreffende französische Monarch in der prallen Sonne stehen bleiben musste. Am dritten Verhandlungstag waren die Franzosen infolge der Hitze dermaßen überreizt, dass beleidigende Worte fielen, die mit einem Pfeil beantwortet wurden, der von einem von Heinrichs walisischen Söldnern abgeschossen worden war. Das hatte einen groß angelegten Angriff der Franzosen zur Folge, die den Engländern zahlenmäßig weit überlegen waren. Letztere suchten Zuflucht in den Mauern von Gisors, während die wütenden Franzosen zur Vergeltung angeblich den Baum fällten. Höchst aufgebracht reiste Philipp II. nach Paris zurück und erklärte, er sei nicht nach Gisors gekommen, um dort den Holzfäller zu spielen.

Die Geschichte zeichnet sich durch typisch mittelalterliche Schlichtheit und Wunderlichkeit aus. Sie begnügt sich mit einer oberflächlichen Erzählung, während sie zwischen den Zeilen ein Geschehnis von viel größerer Tragweite andeutet. Jedwede Erklärung fehlt. Man könnte die ganze Geschichte als absurde Legende abtun, würde sie nicht, zumindest im Großen und Ganzen, durch andere Berichte bestätigt werden.

Einer anderen Chronik zufolge soll der französische König Heinrich II. von seiner Absicht unterrichtet haben, den Baum zu fällen. Daraufhin habe Heinrich den Stamm der Ulme mit Eisenbändern verstärken lassen. Tags darauf formierten sich die bewaffneten Franzosen zu einer Phalanx aus fünf Schwadronen. Verstärkt wurden sie von Schleuderern sowie mit Äxten und Hämmern bewehrten Zimmerleuten, und allesamt rückten sie auf die Ulme vor. Ein wilder Kampf soll entbrannt sein, an dem auch Richard Löwenherz, Heinrichs ältester Sohn und Erbe, teilnahm, der versuchte, den Baum zu schützen, und dabei viel Blut vergoss. Als der Tag sich neigte, hatten die Franzosen den Sieg errungen, und der Baum wurde gefällt. Dieser zweite Bericht lässt auf mehr als nur ein unbedeutendes kleines Scharmützel schließen. Doch keiner von Richard Löwenherz´ Biographen schenkte diesem Ereignis besondere Aufmerksamkeit.

Abermals wurden die Angaben in den "Prieuré-Dokumenten" sowohl durch historische Ereignisse als auch durch Überlieferung bestätigt. Zumindest insoweit, als 1188 in Gisors tatsächlich eine sonderbare Auseinandersetzung stattfand, in deren Verlauf eine Ulme gefällt wurde. Von dritter Seite ist dieser Vorfall weder mit den Tempelrittern noch mit dem Ordre de Sion in Verbindung gebracht worden. Doch es wäre gut denkbar, dass Templer in ihn verwickelt waren, da Richard I. häufig in ihrer Begleitung auftauchte.

Es ist also durchaus möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass es mit dem Fällen der Ulme mehr – oder auch etwas anderes – auf sich hatte, als die für die Nachwelt bestimmten Berichte ahnen lassen".


[Lincoln, Baigent, Leight: "Der Heilige Gral und seine Erben"]


Ulmenjahr


Gisors


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