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Fahrenheit

Sie war zu groß geworden oder die Badewanne zu klein. Im Schneidersitz verschob sie ihre Position und blickte nun den Wasserhahn an. Dahinter Kacheln in klebrigem Grün. Keine Kalkflecken, das Wasser immer noch weich aus den kalkarmen Hügeln. Sobald sie das Wasser aufdreht, wird ihre Haut davonschwimmen, danach die Muskeln, Sehnen, das Fleisch wird abwärts rauschen, leise eingesogen von den Rohren, unterirdisch geleitet zu großen Pumpen, umgewälzt, geklärt. Zuletzt das Skelett, das abfließende Wasser aufschäumen, große, kalkige Blasen bilden, nach unten sacken und abfließen. Sie würde aufhören zu existieren, würde Teil eines Flusses, vielleicht versickern in einer Klärgrube.
Ihre Hand auf der Armatur, blau hervortretendes Pulsieren, ein letztes Aufbäumen aller Atrappen in ihrer Porzellanblässe, darunter jede Sehne eine Lüge, eine gewaltige Lüge.



Arbeitsnotate
albannikolaiherbst - 15. Nov, 13:35

Wieso zerrt's den Geist herab und peinigt ihn?

Gelogen haben doch nicht die Sehnen, sondern eben e r , der ihr Heilheit vorgetäuscht hat.
Dennoch, eine kräftige, gute Szene. Ich würde sie nur aktivischer, als tatsächliches Geschehen, erzählen - und auf Geist und Wahnsinn verzichten; denn es ist ja der Geist, der die Szene aufnimmt; er muß nicht angerufen werden und auch nicht der Wahnsinn, der sich in ihm, liest er, ohnedies herstellt.

TheSource - 16. Nov, 10:34

Der Körper

ist eine Lüge - so die Protagonistin. Eine einzige Maskerade von Vergänglichkeit, Leben vortäuschend, wo keines ist. Die Idee, es aktivistischer zu erzählen, gefällt mir gut; wie Du siehst, habe ich den Konjunktiv (bis auf ein "würde") schon herausgenommen. Tatsächlich passiert es aber nicht, was die nachfolgenden Szenen zeigen. Es passiert nur im Geist, wird durchgespielt und sie beschließt, sich nicht mehr zu waschen. Sie, die das Wasser ihr Leben lang liebte, meidet es von da an. Und zerrt so (in ihrer Wahrnehmung), das Verrottende und Verfaulende des Körperlichen an die Oberfläche der penetranten Sichtbarkeit. Und: Riechbarkeit.

Danke. Ich überarbeite es.
TheSource - 28. Jan, 11:14

Mit dem gebührenden Abstand

muss ich mich erst recht für diese außerordentlich scharfsinnige Kritik bedanken.
Der Wahnsinn ist schrecklich plakativ und einfach nur schlecht gesetzt an dieser Stelle.

xs (Gast) - 21. Sep, 15:11

xs

xsxsxs

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