Rosaria. Fragment II

Einer dieser Abende, an dem die Fische langsam nur beißen. Was Zeit lässt für Reue. Rosaria bereute so Manches. Vor allem den Schmerz, den sie meinte, gesät zu haben wie das Gemüse in ihrem Garten. Sie bereute den Schmerz, den ihre hitzige Leidenschaft geboren hatte und sie bereute den Schmerz, den sie in jungen Jahren erzeugte - aus Ignoranz, wie sie heute wußte. Am meisten bereute sie aber den Schmerz, den wir anderen zufügen, wenn wir im Grunde nur auf der Suche nach Wärme sind, nach einer Zuflucht.. nach Liebe. Wenn wir um uns schlagen, ohne zu wissen, dass wir um uns schlagen. Wenn der Stolz und der Trotz uns die Worte stehlen, denen wir dann, später, hinterherjagen, hechelnd wie Hunde. Oder die Stunden am Feuer, in denen wir uns wünschen, die Uhr zurückdrehen zu können. Ein Zero. Nur ein einziges Zero. Vielleicht dachte Rosaria aus diesem Grund gern an Hans, wenn sie mit der Angel auf den Klippen saß und wartete. Das mit Hans war anders gewesen, es hatte keinen Schmerz gegeben, der sich außerhalb von ihr ausbreitete, wie ein Geschwür ihr Leben vergiftete, indem er, irgendwie, auf sie zurückfiel. Bei Hans war es nicht so. Da blühte auch ihr, Rosaria, einmal die Wärme. Nicht nur, weils im Sommer war. Er sprach kein Portugiesisch und sie hatten sich mit Händen und Fussen verständigt. Nur über Unwichtiges, denn das Wesentliche war klar gewesen von Anfang an. Aber der Mangel an Worten hatte es kostbar gemacht, zu einem Geheimnis, das seine Wärme über die Jahre in ihr Leben strahlte. Keine lodernde Sonne, keine Brautwerbung, keine Gespräche mit den Eltern. Nein. Nur ihres. Nur für sie, kein Wort konnte es angreifen, an ihr nagen, während es von Mund zu Mund ging. Bei ihm blieb alles innen und geborgen. Darum bereute sie die Sache mit Hans nie.



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